Stromkästen und Lüftungsanlagen hängen marode an den Häusern. Palmen brechen hinter, sich hängend durch die Landschaft schlängelnden, Hochspannungsleitungen das von den Bergen her ballernde Sonnenlicht. Im Inneren der glutheißen Stadt heben sie sich wie Riesen mit wirren Haaren hinter den alten, kalkweissen Häusern und ihren tagsüber zugeklappten Fensterläden hervor.

Die Sonne steht obenrum rum; nicht in erster Linie boshaft und fies, jedoch aus sich selbst heraus schwer, doll und ungebremst massig – wie eine gut erzogene Gewalt, ein Türsteher vielleicht. Die Straßen speichern schonmal vorsorglich die Hitze, für die Nacht. Eine Powerbank aus Teer und Beton. Unsere kleine Herberge in der Innenstadt hat sogar eine Klimaanlage. Ihre Funktionsweise erschließt sich uns nicht. Wir geben uns auch keine Mühe. So haben wir es immer schön warm bei 29 bis 38 Grad und keine klimaanlagenbedingte Sommererkältung (Man kennt das: wenige klimatisierte Kilometer in einem Auto reichen schon für ein Kratzen im Hals).

Die Stadtwohnungen der Locals, die es hier und da in den Seitengassen noch gibt, sind baubedingt unten dunkel und kühl. Darin Geräusche von familiärem Treiben – Geschirr, TV, Kinder, Eltern, Großeltern, Katzen. Morgens ist es sehr schnell wieder sehr heiss. Nachts erfüllen gesellige Geräusche die Mitte der Stadt. Richtig ruhig ist es eigentlich nur für vier Stunden. Zwischen 3 und 7. Auch diese schlafnahe Ruhe wird hin und wieder durchbrochen von den Mopeds der Jugendlichen, den letzten Discoheimtorklern, dem Gevögel irgendeines Touristenpärchens (das morgens beim Buffet sich nix zu sagen habende?) – und der einen, unausmachbaren Mücke, die die ganze Nacht im Zimmer summend herumrandaliert.kreta-reisetagebuch-002