Meine heutige gute Tat: Bierberatung.

Bei meinem heutigen Gang in den Einkaufsladen wurde meine fachmenschliche Kompetenz in Sachen Bier erfragt. Ich bin so ein Mensch, der fast jeden Tag kleine bis kleinste Einkäufe macht, weil sich das weniger wie Geldausgeben anfühlt und auch, weil ich diese unverbindliche Atmosphäre, die so beim Schlendern zwischen den Regalen herrscht, sehr schätze.

Im Getränkegang der örtlichen Lebensmittelkette sprach mich eine junge Frau vom Typus „Erstsemester ohne größere Zukunftssorgen“ an. Unter ihrer Strickmütze strahlte ein sauberes, klares Lächeln, das nur Kinder aus höheren Elternhäusern haben. In diesem Lächeln aus makellosen, milchweißen Zähnen, umrahmt von splissfreiem, kursattem Haar, steckten so viel Lebensfreude, so viel Sorglosigkeit und so viel Vitalität wie sonst in ganzen Ortseingangshochhaussiedlungen nicht.

Die junge Frau bat mich um Hilfe, sie müsse Bier kaufen. Für eine Party. Meine erste Fachfrage natürlich: soll es flaschen- oder kastenweise gekauft werden. Ratloses Schulterzucken und die Antwort: „Naja, für zehn Leute. Was nimmt man denn da für Bier?“. Ich – der ich bei ungeplanten Unterhaltungen und Stegreif-Konversationen, auch mit Freunden und Bekannten, schon immer arg ins Straucheln, Stottern und Schwitzen gerate – empfehle schlicht was Regionales: „Lübzer, das ist so das Ding von hier“. Mir war natürlich klar, dass ich mit meinen persönlichen Bierpräferenzen in Richtung doppelt und dreifach gehopft mit starken Bitternoten, aufgefangen von Zitrus- und Salbeiaromen, hier – bei dieser unbedarften Ersti-BWLer-Party oder was die da zu zehnt vorhaben – gar nicht erst anfangen brauche. Lübzer also. Weil wir gerade davor standen, empfahl ich zudem auch Budweiser, das Tschechische, das sei auch allgemein ganz gut verträglich. Blöderweise standen wir in der Regalspalte der Schwarz- und Dunkelbiere. Das wäre dann vielleicht doch zu speziell fürs Erste, dachte ich mir, und lotste das Mädchen vom Internat (oder wo kommt man her, wenn man offenbar noch nie Bier gekauft hat?) schnell zu den durchlaufenden Pils-Sorten. „Oder halt Becks, das kriegst‘ hier auch überall in den Kneipen“, meinte ich dort dann geistesgegenwärtig. Sie stand aber schon grübelnd vor den Lübzer Pilsen. Das seien ja auch dunkle Flaschen, monierte sie. „Ja, aber das ist schon helles Bier da drin, ‚Pils‘ heisst das, steht auch oben dran am Preis, schau.“, klärte ich auf.

Nachdem ich mein Atlantik Ale und mein Holsten Edel in den Wagen gekramt hatte (wochenends mach ich manchmal größere, wagenformatigere Einkäufe), hatte sie sich für einen Elfer-Kasten Lübzer entschieden und lief damit sichtlich erleichtert, mir im Vorbeigehen dankend, zur Kasse.

„Wenn es nicht schmeckt, kannst‘ ja sagen, is‘ meine Schuld“ verabschiedete ich mich aus dieser filmreifen „Susi und Strolch“-Szene – im Kopf überschlagend wieviel Bier jeder von den zehn Partyteilnehmern bei einem Kasten mit 11 Flaschen wohl so trinken könne. Aber vielleicht machen die jungen Leute heutzutage ja auch Parties, die nur eine halbe Stunde gehen, ich weiss das ja alles nicht mehr so genau.

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