Happy New Ear & Frohes Noise!

Befeuert von einer ungerichteten Jahreswechsel-Euphorie erscheinen die ersten Tage eines neuen Jahres ja immer wie ein falsch verkleideter Frühling. Wenn Frau Holle nicht gerade – wie in der Saison 2016/17 – ein Sabbatjahr macht, sind es die selben Schneeauftürmungen, die die Straßen nur schwer überquerbar machen und mit der Schmelze aufgeweichte Böller ununterscheidbar neben frostgeschockter Hundekacke offenbaren; und es sind auch die selben Dachlawinen wie zu Winterbeginn, die wie schwere Rollkoffer von den Dächern rutschen.

Luftschlangen-Melancholie: Huey Walker neben Resten von Pappschmuck und einem abgeräumten Buffet, Silvester 2009

Sinnbild #1 — Luftschlangen-Melancholie: Huey Walker neben Resten von Pappschmuck und einem abgeräumten Buffet, Silvester 2009

Aber doch weht ein kruder Wind von Aktionismus durch die eilfertigen, noch ganz unverdorbenen Pläne und Tagwerke. Die dunsige Bratapfelwärme, die betuliche Weihnachtsgemütlichkeit hat sich im Vakuum zwischen den Tagen zu einer glutigen Neujahrsvorfreude entschält und nun steht man da, alle Luftschlangen verblasen, mit dem neuen Jahr, der bekannten Nachneujahrsdepression und horcht wünschelrutend in sich hinein, was nun anzustellen sei mit diesem Januar aus dünner Luft.

Der Lenz, der frohlockende Schlawiner, schickt sich an, die Wintermüdigkeit zu vertreiben und man selbst versucht mit gutgemeinten Scharwenzlerspaziergängen in der kristallinen Frostsonne die fröhlichen Hormone hinein, in den Stoffwechsel zu locken.

Aber nein, halt, stopp, zu weit gedacht, so richtig Weihnachtstaumel kam wegen Schneemangel und dem generellen Weltirrsinn, der 2016 besonders deutlich zu empfinden war, mal wieder gar nicht erst auf. Der Winter, der bisher eine Art tolpatschiger Herbst war, versucht sich jetzt – mit Pudelmützenkälte und zaghaften Schneeversuchen, die aussehen als hätte jemand zwei Brocken Styropor aneinander zerrieben – noch schnell zu rehabilitieren und alle – auch mürrische Buben wie ich, die sich sonst nicht um derlei Phrasen der Generation Youtube scheren – fragen sich zurecht: „was ist das für 1 life?“

„Was ist das für 1 life?“

Discokugel-Melancholie: Huey Walker, Silvester 2009

Sinnbild #2 — Discokugel-Melancholie: Huey Walker klebt abgebröckelte Spiegelfragmente an eine Diskokugel, Silvester 2009

Die Antwort ist einfach: es ist immer noch das selbe lakonische life wie in den letzten Jahren und irgendwie hat man sich durch die ja auch hindurchgefischelt. Immerhin: der zwölfmonatige Eiertanz namens „2016“ ist erstmal ausgetanzt. Nach dessen Schlussakkord will wahrlich keiner sagen: play it again, Sam oder wie du heisst da am Klavier mit den schiefen Tönen, der schlechten Stimmung und dem viehwahnsinnig um sich herum peitschenden Krawallsound. Vorschlag: alle spielen 2017 gefälligst Harfe, dann klappt das vielleicht auch besser mit den good Vibrations.

Haltet durch, macht weiter, irgendwas ist ja immer.
In diesem Sinne: Prost und Halleluja, Rabimmel, Rabammel, Rabumm!

Huey Walker live at Madame Claude, Berlin

Rakkoonkalender

Rakkoonkalender

Blicken wir also nach vorn: nachdem der Dezember in 24 Beiträgen des Rakkoonkalenders die vergangenen Jahre in und um Rakkoon Recordings herum nochmal Revue passieren ließ, geht es jetzt wieder nassforsch, wesensgemäß leisefroh und und in der üblichen melancholiegesottenen, pastösen Munterkeit vorwärts.

Am 09. Februar spielt Huey Walker mal wieder ein Konzert bei Madame Claude in Berlin. Neben dem One-Man-Projekt Indian Wolf präsentiert Huey dort seine aktuellen Ideen von static reeling and winching whirring, so die Konzert-Info. Einlass ist ab 19 Uhr, Konzerte starten gegen 21 Uhr, Eintritt ist frei Schnauze und spielt allen Beteiligten am Ende hoffentlich immerhin die Fahrtkosten wieder rein. Mehr Details gibt es bald hier im Farcebook und hier auf der Webseite von Madam Claude.

Nettzwerg-Netzwerkerei: Social Media-Versuche des kleinen Mannes

A propos Farcebook: Um im neuen Jahr social-media-mäßig knallhart durchzustarten habe ich mich aus Versehen auch mal wieder auf meinen XING-Account verirrt. Alle paar Nasenjahre lang stolpert man ja doch mal wieder drauf und schaut, in welchen Agenturen und Selbstständigkeiten die KoWi-Streber, Germanistik-Muttis und Kneipen-Klassensprecher von damals jetzt so gelandet sind. Ich persönliche stolpere ja — als eine Art ungelenke Promenadenmischung aus allen dreien — eher schüchtern und gelähmt in Langweile von Clickbait-Werbersprech und krawalligem Nonsens-Content durch dieses zeitgenössische Internet. Bin also mehr Nettzwerg-, weniger Netzwerk-Experte — dabei aber um kein Wortspiel verlegen.

Zum Zwecke der Eigenanpreisung auf dem digitalen Arbeitsmarkt der Marketing-Möglichkeiten findet man mich persönlich nun also auch bei XING – unter den Schlagworten „Humoristischer Zauberer“, „Brauwesen“, „Ziegenzucht und -haltung“, „Wachdienst“, „Schlafforschung“ & „Apnoetauchen“.

Euer Social-Media-Minister,
Martin Hiller

rakkoonrecordings-frohesnoise_2Original-Photo: Huey Walker live at Kiessee, Kiekebusch