In den ersten regnerischen Tagen des launigen Oktobers – vom 1. bis zum 6. – verweilte Huey Walker auf dem Gelände des Kunstvereins Polly Faber. Dort erwerkelte er im Rahmen des „Schaufensterschau“– Kunstprojektes Musik, um sie möglichst zeitnah sofort zu veröffentlichen, sprichwörtlich: rauszukloppen.
Resultat ist die Mini-CD „Chaussee, Nachts Ruf“ und ihr Kompagnon „Cute Obi Corms“ (Huey Walker & Bassbees).

Huey Walker – „Chaussee, Nachts Ruf“ (Trailer) from Rakkoon Recordings on Vimeo.

Grundansinnen des „Schaufensterschau“-Projektes, war es, binnen einer Woche öffentlich Kunstwerke zu erschaffen, die nun bis zum Frühjahr 2013 in leerstehenden Schaufenstern der Greifswalder Fleischervorstadt zu sehen sind. Fotografische Eindrücke davon können hier im Fleischervorstadt-Blog angeschaut werden.

So wie die bildenden Künstlerinnen und Künstler in diesen ersten sechs Oktobertagen auf der Polly Faber ihre Malereien, Collagen und Installationen erschufen, dümpelte und sinnierte Huey Walker in einer Art musikalischem Atelier über dem Vorhaben ein spontanes Wochenalbum zu machen.

„Chaussee Nachts Ruf“ erscheint als One-Track-Mini-CD, unterteilt in sechs Segmente:

Yolk-Yellow Street Lights I
I’m Only Rainy, When It Happens
While My Guitar Gently Fieps
Yolk-Yellow Street Lights II
The Müdest Maus
Everybody Needs Somebody

„Cute Obi Corms“ erscheint ebenfalls im One-Track-Format und enthält folgende Movements:

Alkekengi Lanterns
Bummsbär’s Doom
Queuenigin
Kraken’s Kraal

Herausgekommen ist eine Collage verschiedenster Aufnahmen, die in diesen Tagen entstanden. „Chaussee, Nachts Ruf“ (ein Anagram von „Schaufensterschau“) beginnt mit kosmischen Flächen und bluesigen Detuned-Guitar-Improvisationen, erhebt sich kurz zu einem dengelnden Noisefreakout, um dann wieder zurück zu sphärischem Fluß und der beharrlichen Mantra-Monotonie von „Everybody Needs Somebody“ zu münden. Hierfür verwendete Huey Walker eine im Archiv gefundene Vokalschleife von Lofi Deluxe aus dem Jahr 2003. Es mutet ein wenig weenish an, wie die verspult-folkige Gitarren-und-Gesangsfigur sich endlos vorwärts walzert, konterkariert von heftigem Spaceharmonika-Implosionsgeknatter. Zusammengehalten werden die 24 Minuten der Mini-CD von Field Recordings, die in dieser Woche ihre Wege in verschiedene Aufnahmegeräte fanden. Regenplätschern, Baustellengeräusche und der eine oder andere späte Herbstvogel sind erahnbar.

huey-walker-chaussee-nachts-ruf-artwork-collage

Dem Cosmic Twee-Folk und der flächigen Regenknister-Lullabyhaftigkeit von „Chaussee, Nachts Ruf“ wird auf einer zweiten CD namens „Cute Obi Corms“ eine ausgedehnte Freenoise-Session von Huey Walker zusammen mit Bassbees nebenangestellt. Titel wie „Bummsbär’s Doom“ und „Kraken’s Kraal“ zeigen an, wo die Klangrichtung hingeht – in cinematoskopisches Drone-Doom-Gewummer, das zwischen tieffrequenten Stillstehtönen und sich überschlagenden Delayloops wandert. Hier fressen sich die Töne im Raum an den nackten Wänden entlang, wie scheue Reptilien auf der Suche nach Tagwärme. Eine seltsam entrückter, zuweilen creepy, letztlich in staubiger Stonergitarrenwüste landender Soundritt.

Zusammen dokumentieren die beiden CDs in schwingender Freistiligkeit die liebliche Mattheit der ersten Oktoberwoche dieses Jahres (2012).

Auf der Vernissage der „Schaufensterschau“ spielten Huey Walker und Bassbees einen 40minütigen Gitarrendrone. Der „Hidden Hearth (Live at Polly Faber, 06 October 2012)“ betitelte Mitschnitt dieses Konzertes kann hier angehört und heruntergeladen werden.

Die Doppel-Mini-CD ist auf 30 Stück limiert und kann bspw. bei bandcamp geordert werden. Dort kann das Album auch in Gänze angehört und – derzeit kostenfrei! – heruntergeladen werden.

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